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Dienstag, 27. Januar 2009

Bilder auf der Kapellbrücke

Am kommenden Donnerstag diskutiert der grosse Stadtrat über die Ersetzung der beim Brand der Kapellbrücke zerstörten Bilder. Die Fraktionen der FDP und SVP fordern, dass die durch Jost Schumacher finanzierten Kopien aufgehängt werden. Die JUSO wünscht sich aber eine breitere Diskussion und präsentiert deswegen mehrere alternative Vorschläge.

Kontext
Im Verständnis von Jost Schumacher sowie der Fraktionen der FDP und SVP sind die Bilder etwas statisches. Dies ist aber nicht der Fall. Ein Teil der ursprünglichen Bildern wurde im Laufe der Zeit zerstört und durch neue ersetzt. Aber auch die restlichen Bilder wurden durch Restaurationen stark verändert.
Geschaffen wurden die Bilder im 17. Jahrhundert, sie dienten nicht primär zur Verschönerung der Brücke sondern zur Darstellung der Geschichte Luzerns. Doch seither ist die Geschichte nicht stehen geblieben; Geschichte ist ein ständig fortlaufender Prozess. Jedes Jahr bringt Ereignisse und Entscheide die Teil der luzernerischen Geschichte werden, Beispiele sind der Brand der Kapellbrücke oder die Fusion von Luzern und Littau.
Die beim Brand von 1993 zerstörten Bilder können durch mehr oder weniger gut gelungene Kopien nicht wirklich ersetzt werden. Denn es sind eben lediglich Kopien, die Intention der damaligen Künstler können sie nur bedingt wiedergeben.

Alternative Vorschläge
Aufgrund dieser Tatsachen möchte die JUSO an dieser Stelle einige Vorschläge machen, wie man der Idee der Bilder grundsätzlich treu bleiben und trotzdem etwas Neues und Aktuelles schaffen kann:

  •  Jedes Jahr bekommt ein Luzerner Künstler den Auftrag zur Gestaltung eines Bildes oder einer Fotografie die ein in diesem Jahr aktuelles Thema in Luzern aufzugreifen hat. Interessierte Künstler haben zuhanden des Grossen Stadtrat von Luzern ein Konzept einzureichen, ein Gremium des Grossen Stadtrates kürt daraus das Siegerprojekt.
  •  Die noch vorhandenen Bilder würden durch neue ergänzt, die die Geschichte Luzerns bis ins 21. Jahrhundert zum Thema haben. Ab dem Zeitpunkt in dem die Historienmalerei durch die Fotographie verdrängt wurde können die Ereignisse soweit als vorhanden durch Fotos dargestellt werden.
  • Die ursprünglichen Bilder würden ergänzt durch schwarz/weiss Fotografien. Themen wären Ereignisse, die Luzern direkt oder indirekt betrafen.

Die noch erhaltenen Bilder der Kapellbrücke sollten in jedem Fall in einem neuen Zyklus integriert werden. Zudem wäre immer darauf zu achten, dass die dargestellten Bilder bzw. Fotos untereinander soweit wie möglich als einen zusammenhängenden Zyklus erscheinen.

Eine generationenübergreifende Diskussion
Der JUSO ist klar, dass hier kein ausformulierter Lösungsvorschlag präsentiert wird. Dies ist aber auch keineswegs das Ziel; die JUSO möchte vielmehr, dass sich die Diskussion um die Bilder nicht mehr lediglich um die Frage dreht ob die Bilder nun gut genug seien oder nicht um auf der Kapellbrücke aufgehängt zu werden. Man sollte zuerst über den Sinn und die Absicht der nun grösstenteils zerstörten Bilder diskutieren und anschliessend darüber befinden was für einen Beitrag die jetzt lebenden Generationen an eine bildliche Darstellung der Geschichte Luzerns leisten können. Es wäre auch eine Diskussion darüber, was wir künftigen Generationen hinterlassen möchten.

27.01.2008, JUSO Luzern