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Ebner und die Armut (Fabian Duss)

Sonntag, 27. Mai 2001

Ebner und die Armut

Es ist erstaunlich, wie es sich gewisse, wohl begüterte Herren erlauben können, in der Öffentlichkeit derart zu lügen, um die Maximierung der persönlichen Kapitalbereicherung voranzutreiben. Unser lieber Herr Ebner, den wir nur deswegen lieben, weil er uns tiefe Steuern beschert, trat schon zu Beginn seiner Werbetour in Muotathal heftig ins Fettnäpfchen: "...es gäbe in der Welt weniger Armut als je,..." wurde er vom "Boten der Urschweiz" zitiert.

Nun, entweder spricht Ebner hier von seiner Welt oder eben ist er ein Lügner, Ignorant oder schlichtweg ein armer Mann, für den die Anschaffung eines Radios oder einer Tageszeitung ein Ding der Unmöglichkeit darstellt.

Wir haben es gehört, letzte Woche, was neuste Studien besagen: Die Schere zwischen Nord und Süd klafft immer mehr auseinander, die Armen werden ärmer, die Reichen reicher. Eine grosse Schuldenlast an dieser Entwicklung trägt der Westen, der die "Dritte Welt" zur Öffnung der Märkte zwingt, die seinigen aber durch hohe Einfuhrzölle abschottet. Der Weltbankbericht von 1999 konstatiert, dass die Zahl der Menschen, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen muss, kontinuierlich steigt: 1993 waren's 1.3, 1999 1.5 und schon bald werden's 2 Milliarden Erdenbürger sein, die damit gemeint sind. Zwanzig Prozent der Weltbevölkerung leben also mit weniger als einem Dollar, rund zwei Drittel mit weniger als zwei. Während der Anteil besagter zwanzig Prozent vom Welteinkommen in den vergangenen dreissig Jahren von 2.3 auf 1.4 Prozent sank, stieg der Anteil der zwanzig Prozent reichsten mondialen Bevölkerung von 70 auf 85 Prozent.

Anlässlich der aktuellen UNO-Konferenz zur Armut in Brüssel schrieb der Tagesanzeiger letzten Freitag: "Die Länder, wo ein Zehntel der Weltbevölkerung wohnt, sind noch ärmer geworden, vierzig Prozent der Kleinkinder sind unterernährt, die Hälfte der über 15-jährigen Analphabeten. Und die Armut soll nach den Worten des BZ-Raubritters abgenommen haben?

Anstatt Geld anzuscheffeln und somit anderen zu entziehen oder Familien zu seinen Zwecken verführen zu wollen, rate ich Herrn Ebner, sich Gedanken über sein (allfällig vorhandenes) Verantwortungsbewusstsein zu machen. So zur netten Abwechslung...

Fabian Duss, 27.05.2001