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Samstag, 22. März 2003

Jungparteien wollen Akzente setzen

Vier Jungparteien treten zur Grossratswahl an - zwei davon mit eigenen Listen. Was wollen die Jungen in der Luzerner Politik erreichen?

"Viele Junge zeigen sofort eine Abwehrhaltung, wenn sie das Wort Politik hören", sagte Claude Meier, Präsident der Luzerner Jungfreisinnigen, kürzlich an einer Veranstaltung in Sursee (siehe Kasten). Seine Partei will dies ändern und die jüngere Wählerschaft ansprechen. Dasselbe versuchen die Junge CVP, die Jungsozialisten (Juso) und die Junge SVP. Bei den Grünen gibt es zwar keine eigene Jungpartei, das GB ist dafür die Partei mit dem tiefsten Altersdurchschnitt bei den Kandidaten (39 Jahre). Dieses Jahr bewerben sich 78 Personen unter dreissig Jahren um einen Grossratssitz - das ist rund ein Sechstel der Kandidaten. Ihre Chance, gewählt zu werden, ist erfahrungsgemäss sehr klein. Im jetzigen Parlament sitzt nur ein einziger Grossrat unter dreissig: der Wolhuser Jungfreisinnige Damian Meier.

Jungfreisinnige ohne eigene Liste

Für den Präsidenten der Jungfreisinnigen, Claude Meier, ist dies eine Folge der Strategie: "Wir kandidieren auf den Listen der Mutterpartei." Würden sie mit eigenen Listen antreten, "dann wären wir nur dazu da, der Mutterpartei Restmandate zu sichern". "Das stimmt wohl", räumt Christian Blunschi von der JCVP ein. Trotzdem hat seine Partei in zwei Wahlkreisen eigene Listen. "Wir können dafür unabhängiger politisieren", hält Blunschi dagegen. Und chancenlos ist seine Partei trotz Alleingang nicht: Früher, im 170-Sitze-Parlament, hatte die JCVP einen Vertreter. Und vor vier Jahren verpasste sie ihren Sitz nur knapp.

Die Juso hat ebenfalls in zwei Wahlkreisen eigene Listen. Im Amt Sursee kandidiert Maurus Achermann aber auf der SP-Liste: "Alleine eine Liste zu machen, hätte keinen Sinn gehabt", meint er, sieht aber auch positive Seiten. Es sei wichtig, dass die SP über "eine Liste mit dem gesamten Altersspektrum verfügt".

Ähnliche Schwerpunkte

Dass die Junge SVP keine eigene Liste führt, ist auf die geringe Anzahl Kandidaten zurückzuführen: Nur gerade vier der 70 SVP-Bewerber sind unter dreissig.

Thematisch haben sich die Jungparteien Ähnlichem verschrieben. So setzen sich alle in der Bildungspolitik ein, wenn auch auf unterschiedliche Weise: Die Juso profiliert sich mit ihrer Stipendien-Initiative, die Jungfreisinnigen haben ihren Schwerpunkt auf die Jugendarbeitslosigkeit gelegt und die JCVP kämpft für einen "Bildungsschub": mit einer Petition, die den allfälligen kantonalen Anteil der Goldreserven der Bildung zukommen lassen will.

Ebenfalls bei allen steht die Ausländerfrage auf dem Programm: Bei FDP und SVP unter dem Titel "Asyl und Sicherheit", während JCVP und Juso das Stichwort "Integration" benützen. Die Jungparteien verfechten dabei eine ähnliche Linie wie ihre Mutterparteien. Christian Blunschi findet das richtig: "Wir können doch nicht eine völlig andere Politik machen, schliesslich tragen wir fast denselben Namen." Trotzdem bleibe Raum für unabhängige Politik: "Wir können dort Akzente setzen, wo es für die Jungen wichtiger ist."

VON BEAT VOGT

Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 22.03.2003