Freitag, 31. Oktober 2003
Stipendien kommen vors Volk
Die Stipendieninitiative der Jungsozialisten ist mit fast 5000 Unterschriften eingereicht worden. Mehr Geld soll für eine bessere Chancengleichheit sorgen.Die Symbolik lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: An der gestern vor dem Regierungsgebäude übergebenen Stipendieninitiative "Bildung für alle" sticht ein als Superman verkleideter Juso-Blondschopf mit einem übergrossen Bleistift den maskierten, ganz in schwarz gekleideten "Sparminator" (stellvertretend für die bürgerliche Ratsmehrheit) nieder. Dann entreisst der junge Kämpfer seinem Gegner ein Sparschwein mit der Aufschrift "Stipendien". Mit der Initiative will die Juso nach eigenen Angaben eine "Bildungsoffensive" einleiten. Mit verschiedenen Massnahmen möchten die Jungsozialisten die Ausgaben für die Stipendien erhöhen. Dies, obwohl das revidierte Stipendiengesetz, seit dem 1. August in Kraft, das Stipendienvolumen von bisher 8,6 auf rund 12,6 Millionen Franken erhöht hat. Das geht den Initianten zu wenig weit. Damit sich der Kanton Luzern "wieder an das schweizerische Mittel annähert", verlangt die Initiative rund 20 Millionen Franken an Stipendiengeldern.
Keine Darlehen mehr
4906 Unterschriften sind gestern Katrin Graber vom Amt für Gemeinden übergeben worden. "Wir sind sehr stolz darauf", sagt Marcel Budmiger vom Vorstand der Juso Luzern. Die Initiative wird in einem Jahr im Parlament behandelt und soll im Jahre 2005 vor das Volk kommen. "Wir haben beim Sammeln der Unterschriften viel Sympathie aus der Bevölkerung erhalten", so Budmiger. "Gemäss den Reaktionen auf der Strasse rechne ich mit einem Ja an der Urne", gibt sich der Juso-Vertreter zuversichtlich.Das Volksbegehren verlangt neben mehr Geld die Entlastung von tiefen und mittleren Einkommen. Auch soll gänzlich auf die Entrichtung von rückzahlbaren Darlehen verzichtet werden, damit ein "schuldenfreier Start ins Berufsleben" möglich sei, so die Initianten.
Im heute gültigen Stipendiengesetz können etwa bei Zweitausbildungen nur Darlehen, keine Stipendien aufgenommen werden.
VON ROBERT BOSSART
Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 31.10.2003