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Mittwoch, 11. April 2007

Kulturkonzept sorgt für Aufregung

Gleich mehrere Gruppen kritisieren den Jury-Entscheid zum Kulturwerkplatz Süd. Doch Stadtpräsident Urs W. Studer hält daran fest.

Kaum hat die Jury entschieden, für den Betrieb des Kulturwerkplatzes Süd das Konzept der Gruppe Südpol ins Rennen zu schicken, hagelt es massive Kritik. Hart und kämpferisch wird diese von der Juso Luzern geübt, fragend bis erstaunt von der unterlegenen Gruppe SUD (Kulturverein Luzern-SUD) und geradezu besorgt von der IKU Boa. Der Kulturverein SUD stellt unter anderem die Frage der Befangenheit in der Jury: Hansruedi Hitz ist Mitglied des Siegerprojektes Südpol und Vorstandsmitglied der IG Kultur. Doch in genau diesem Vorstand sitzt auch Peter Bühler, der in der Jury mitwirkte. Im Übrigen vertei-digt der Kulturverein die fünf von der Jury kritisierten Punkte. Sie alle seien in ihrem Konzept klar aufgeführt und erläutert worden. Auch die Juso stellt die Frage nach der Befangenheit der Jury. Zudem wirft sie dem Stadtrat vor, dass er sein Versprechen breche: Es fehle ein klares Bekenntnis zur jungen Alternativkul-tur - südpol sei ein Konzept für Leute über 40. Und: Mit dem Jury-Entscheid sei der «Boa-Ersatz Teil des Schlachthofes» quasi an die freie Theaterszene vergeben worden.

Schiffbruch vorprogrammiert

Die IKU Boa empfiehlt in einem offenen Brief dem Stadtrat «dringend», dem Vergabeantrag der Jury nicht zu folgen. Es sei ein grosser Fehler, die Bereiche Musik und Theater organisa-torisch, räumlich und finanziell nicht zu trennen. Dies werde unweigerlich zu Richtungskämp-fen führen - ein Schiffbruch sei vorprogrammiert. Zudem sei die Halle mit 450 Plätzen zu klein, um publikumsträchtige Konzerte, die Gewinne abwerfen, zu veranstalten. Stadtpräsident Urs W. Studer nimmt diese Vorwürfe grundsätzlich ernst. Trotzdem ist er nach einem ersten groben Überblick überzeugt, dass die Kritikpunkte haltlos sind. «Konkret gele-sen habe ich bis jetzt nur die Vorwürfe der Juso. Und die schiessen in sämtlichen Punkten am Ziel vorbei.» Mit diesen Begründungen werde der Stadtrat «unter gar keinen Umständen» auf den Entscheid der Jury zurückkommen. «Die Jury musste das beste Konzept für den Betrieb des neuen Kulturzentrums finden. Und das hat sie getan.»

Seriöse Jury

Er habe genau deswegen in der Jury Einsitz genommen, um «eins zu eins und direkt» miterleben zu können, nach welchen Kriterien gewichtet und diskutiert, wie gerungen und entschie-den werde, hält Studer fest. Sein Fazit: «Diese Jury hat sehr seriös und unbefangen gearbeitet, das kann ich ohne Wenn und Aber bestätigen. Sowohl fachlich als auch von der Zusammen-setzung her ist sie völlig unbestritten. Es gibt also überhaupt keinen Grund für nachträgliche Kritik.»

«Bestes Konzept hat gewonnen»

Ähnlich überzeugt gibt sich auch Jury-Präsident Patrick Deicher. «Die Jury hat zu 100 Pro-zent unabhängig urteilen können», sagt er. «Leider kann ich den Entscheid nicht offenlegen, das ist innerhalb eines Jury-Gremiums nicht üblich.» Die vorgeworfene Befangenheit sei ein Konstrukt, das keinen Sinn mache, so Deicher weiter. Auch er kenne Leute von beiden Grup-pen, «aber wir haben nur die Konzepte beurteilt und nicht die Personen. Und das bessere Konzept hat schliesslich gewonnen». Recherchen unserer Zeitung haben ergeben, dass die siebenköpfige Jury ihren Entscheid mit 6:1 Stimmen gefällt hat. Das ist in verschiedener Hinsicht erhellend. Zum Beispiel auch dahin gehend, warum sich die Verantwortlichen so sicher fühlen, dass die Jury unbefangen war.

Von Pirmin Bossart

Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 11.04.2007