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Mittwoch, 10. Oktober 2007

Weitere zehn Jahre für die Schüür

Die Stadt will das Schüür-Grundstück erwerben. Damit wäre das Konzerthaus vorläufig gesichert. Die Juso will ihre Initiative «Die Schüür bleibt!» zurückziehen.

1984 hatte die Stadt Luzern das Schüür-Grundstück bei der Langensandbrücke enteignet und dafür der Erbengemeinschaft Styger 4,8 Millionen Franken bezahlt. Grund: Das Land sollte gesichert werden für den Bau des Südzubringers, der heute Süd-Spange genannt wird. Die frühere Eigentümerin hätte das Recht, das Grundstück zurückzufordern, falls es nicht inner-halb von 25 Jahren überbaut wird.
Da diese Frist 2009 abläuft, beantragte der Stadtrat beim Regierungsrat eine Fristverlänge-rung. Gleichzeitig nahm er Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft Styger auf. Druck er-zeugte nicht zuletzt die Juso-Initiative. Sie forderte vor vier Jahren den Stadtrat auf, das lang-fristige Weiterbestehen der Schüür an ihrem heutigen Standort zu sichern. Die Initiative «Die Schüür bleibt!» wurde aufgrund der Verhandlungen sistiert.

2,3 Millionen als Abgeltung

Jetzt hat sich die Erbengemeinschaft Styger bereit erklärt, für eine einmalige Entschädigung von 2,3 Millionen Franken auf das Rückforderungsrecht zu verzichten. Die Entschädigung berücksichtigt den Mehrwert, den das Grundstück gegenüber 1984 inzwischen hat. Laut Bau-direktor Kurt Bieder entspricht die Summe einem Quadratmeterpreis von 1300 Franken. «Dieser Preis ist angemessen und vernünftig.» Mit dem endgültigen Kauf des Grundstücks erhalte die Stadt «Rechtssicherheit für die Option Süd-Spange», sagt Bieder. Im andern Falle hätte es zu langwierigen gerichtlichen Auseinan-dersetzungen kommen können. «Die Süd-Spange ist für uns ein Schlüsselprojekt der Ver-kehrsplanung. Das wollten wir nicht aufs Spiel setzen.» Die Süd-Spange wird frühestens um 2020 realisiert.

Neuer Vertrag bis 2017

Aufgrund der neuen Ausgangslage stellt der Stadtrat der Schüür einen neuen Gebrauchsleihvertrag in Aussicht, der am 1. Januar 2008 in Kraft treten und bis Ende 2017 gültig sein soll. Damit wäre der Betrieb der Schüür mindestens zehn Jahre lang gesichert. Gleichzeitig emp-fiehlt der Stadtrat dem Parlament, die Juso-Initiative abzulehnen. Die Juso ist zufrieden mit der Lösung. «Unsere Forderungen sind grösstenteils erfüllt», sagt David Roth. Sobald die Zustimmung des Grossen Stadtrates vorliege, werde die Juso einen Rückzug der Initiative in Betracht ziehen. Für Schüürrat-Präsident Alain Prêtre ist die Lösung perfekt. «zehn Jahre sind für Kultur und Politik ein langer Zeitraum. Mehr Bekenntnis zur Schüür können wir nicht erwarten.»

Und nachher?

Für Prêtre ist nicht ausgeschlossen, dass es dereinst auch eine Koexistenz von Süd-Spange und Schüür geben könnte. Auch gemäss Stadt ist es noch «ungewiss, ob die Schüür bei einer Realisierung der Süd-Spange stehen bleiben kann oder ob sie abgerissen werden müsste».

Von Pirmin Bossart

Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 10.10.2007