Montag, 15. Oktober 2007
Striptease-Abgaben für Jugendprojekte?
Der Tourismus erhält 90 000 Franken, die aus Kultur- und Stripteaselokalen fliessen. Junge Politiker wollen damit aber Jugendprojekte fördern.
Für die Bewilligung von Tanz und Tanzdarbietungen bezahlen Kulturhäuser im Kanton Luzern jedes Jahr 180 000 Franken Gebühren. Dieses Geld fliesst teils in die Staatskasse und teils in Tourismusorganisationen.
Die Juso hält diese Praxis für fragwürdig. Sie hat 500 Unterschriften gesammelt, die sie heute Montag dem Kanton überreichen werden. «Es ist nicht nachvollziehbar, dass Tourismusorganisationen Geld aus Tanzgebühren erhalten. Das Geld sollte in einen Jugendkulturfonds investiert werden», sagt Simon Roth von den Juso Luzern. Als vorbildliches Beispiel nennt er das Projekt Kulturdünger, das junge Aargauer Kulturschaffende bis 25 Jahre unterstützt und das durch den Kanton Aargau finanziert wird.
Mit der Petition wolle man vor allem eine Diskussion in Gang setzen. Eine Gesetzesänderung mittels Initiative komme derzeit aber nicht in Frage, weil man bereits in die Initiative der Her-absetzung des Wahl- und Stimmrechtsalters auf 16 Jahre viel Energie investiert habe. «Der Aufwand, weitere 4000 Stimmen für eine weitere Initiative zu sammeln, ist zu gross», sagt Roth.
Die Möglichkeit eines parlamentarischen Vorstosses habe man hingegen sehr wohl diskutiert. Zu einem späteren Zeitpunkt sei dies durchaus denkbar. Vielleicht sogar in der kommenden Grossratssession.
Ob die Verteilung der Einnahmen Sinn macht oder nicht, wird vom Kanton derzeit nicht kommentiert. «Die Abgaben bezahlen Betriebe mit Tanzdarbietungen oder regelmässigem Tanz. Betroffen davon sind neben Tanz- auch Stripteaselokale», sagt Laura Grüter, Chefin Gastgewerbe und Gewerbepolizei.
Bis 20 000 Franken pro Jahr
Gemäss Gastgewerbegesetz § 27 Abs. 1c bezahlen die Bewilligungsinhaber 1000 bis 20 000 Franken pro Jahr. «Die Abgaben setzen sich aus Bewilligungsgebühren und Steuern zusammen», so Grüter weiter. Das Tourismusgesetz sehe vor, dass in der Regel 50 Prozent dieser Einnahmen an verschiedene Tourismusorganisationen im Kanton Luzern fliessen.Von Roger Rüegger
Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 15.10.2007