Donnerstag, 20. November 2008
Clubs entscheiden über Politik-Verbot
bin. Die Ausschreitungen beim Spiel Young Boys gegen den FC Luzern in Bern (Ausgabe vom Dienstag) haben ein Nachspiel.
Sind politische Transparente an Fussballspielen erlaubt? Diese Frage beschäftigt nun auch die Luzerner Jungsozialisten (Juso). Sie sehen nach den Vorfällen in Bern die freie Meinungsäusserung gefährdet. In einem offenen Brief forderten die Juso die Verantwortlichen des FC Luzern sowie der Stadt- und Kantonspolizei auf, dieses Grundrecht öffentlich zuzusichern.
Club entscheidet über Verbot
Fakt ist: Das Reglement der Swiss Football League (SFL) verbietet Transparente mit «politisch extremistischem Aufdruck». Auf dem umstrittenen Transparent war «Nein zu Polizeiwillkür» zu lesen. «Das wäre nach unserem Reglement nicht verboten», sagt Ulrich Pfister, Sicherheitschef des Schweizer Fussballverbandes. Doch im Endeffekt entscheide der Club über die Stadionordnung und deren Durchsetzung.
Im Stade de Suisse bezieht man sich zwar auf das Reglement der SFL, aufgrund der restriktiven Auslegung werden aber keine politischen Transparente geduldet. Anders in Luzern: Der Spruch «Nein zu Polizeiwillkür» ist bei einem Spiel auf der Allmend auch schon präsentiert worden - und wurde toleriert. Dies bestätigt Mike Hauser, Sicherheitsbeauftragter des FCL auf Anfrage.
Kein Verständnis für Forderung
Bei der Polizei kann man mit der Forderung der Juso nicht viel anfangen. «Die Polizei greift nur dann ein, wenn ein strafrechtlich relevanter Tatbestand vorliegt oder die öffentliche Sicherheit gefährdet ist», sagt Ernst Röthlisberger, Kommandant der Luzerner Stadtpolizei. Bei der Polizei habe man nichts gegen die Meinungsfreiheit. «Sie gehört ja zu den Grundrechten unserer Gesellschaft.» Die FCL-Leitung tagte gestern zum Thema und will erst heute öffentlich Stellung nehmen. Jörg Häfeli, Präsident der Fankommission der SFL, hält das Vorgehen des in Bern zuständigen Sicherheitspersonals für «korrekt». Die Anweisung an die Sicherheitsleute, das Transparent zu entfernen, sei aber falsch gewesen, findet Häfeli.
Quelle: Neue LZ, 20.11.2008