Dienstag, 02. Dezember 2008
Kiffer sollen ihr Cannabis testen lassen
Ein Drogentest samt Beratung sei nötig, um die Cannabis-Prävention zu verbessern. Das sagen Linke. Experten hingegen äussern sich kritisch.
Kiffer sollen ihr Cannabis auf Substanzen wie Blei und Rattengift sowie auf den Gehalt des psychoaktiven Wirkstoffs THC testen können. Damit verbunden wäre eine obligatorische Beratung. Diese Forderung stellen die Jungsozialisten der Stadt Luzern in einer gestern namens der SP-Fraktion eingereichten Motion. «Solche mobile oder stationäre Cannabis-Tests können einen sinnvollen Beitrag zur Prävention sein», ist Juso-Grossstadtrat David Roth überzeugt.
Nach dem Scheitern der Hanfinitiative am vergangenen Wochenende muss laut Roth die Cannabis-Prävention verstärkt werden. Die 500 000 bis 600 000 regelmässigen Kiffer in der Schweiz seien der Gefahr von verunreinigtem Cannabis ausgesetzt. «Gerade junge Konsumenten sind sich der Risiken des Kiffens nicht oder ungenügend bewusst», sagt Roth.
500 Franken für einen Test
«Ich zweifle daran, ob dieses Angebot genutzt würde», sagt Herbert Willmann, Leiter der Fachstelle für Suchtprävention des Drogen-Forums Innerschweiz, in Luzern. Laut Willmann fehlen in Luzern niederschwellige Anlaufstellen für Konsumenten von so genannt weichen Drogen wie Cannabis. Das mache es aufgrund der Illegalität schwieriger, an die Konsumenten heranzukommen. «Aus fachlichen Gründen aber macht der Vorstoss durchaus Sinn.» Bezüglich Testmöglichkeiten sieht er jedoch bei Partydrogen wie Ecstasy oder Kokain einen weitaus grösseren Bedarf. Erschwerend komme hinzu, dass ein Cannabis-Test bis zu 500 Franken kostet und somit sehr teuer wäre.
Die Juso Luzern verweist in ihrer Motion auf positive Erfahrungen aus Zürich. Dort hat die Jugendberatung Streetwork einen Monat lang Cannabis auf Verunreinigungen getestet. Donald Ganci, Betriebsleiter Streetwork, relativiert jedoch: «Wir haben bloss die technische Machbarkeit getestet.» Insgesamt seien nur zehn Cannabis-Proben getestet worden. Folglich seien die Ergebnisse nicht aussagekräftig. Schadstoffe wurden keine entdeckt. Sowieso: «Von verseuchtem Cannabis in der Schweiz haben wir bislang nichts gehört», sagt Ganci. Die Idee findet er trotzdem prüfenswert. Derzeit sei keine Weiterführung der Cannabis-Tests geplant. Streetwork testet seit 2001 Partydrogen.
Von Luca Wolf
Quelle: Neue LZ, 02.12.2008