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«Keine Witzkandidatur»

Montag, 30. März 2009

Interview in der Neuen LZ: «Keine Witzkandidatur»


Auch die Juso steigen ins Rennen um den Stadtrat. Kandidat David Roth will vor allem einen zweiten Wahlgang erzwingen.

Express:

    * Die Juso bläst zum Angriff auf den Sitz von Baudirektor Kurt Bieder.
    * Kandidat David Roth sagt, dass eine Minderheit sich Gehör verschaffen muss.

«Unsere Kritik trifft keine wehrlosen Leute.»

David Roth

Die Jungsozialisten der Stadt Luzern haben ihren eigenen Kandidaten für die Stadtratswahlen aufgestellt. Der 24-jährige David Roth zielt dabei vor allem auf den Sitz von Baudirektor Kurt Bieder.

David Roth, gemessen an den Wähleranteilen dürfte Ihre Kandidatur chancenlos sein. Ist sie trotzdem ernst gemeint?

David Roth *: Es ist sicher keine Witzkandidatur. Sie ist vielleicht ungewohnt, weil ich ein junger Kandidat bin. Die bürgerlich dominierte Regierung soll aber nicht einfach durchgewinkt werden. Wir wollen deren innovationsfeindliche Politik aufzeigen und einen zweiten Wahlgang erzwingen.

Mit Ihnen kandidiert ausgerechnet einer der schärfsten Kritiker von Ursula Stämmer, der Kandidatin Ihrer Mutterpartei.

Roth: Die Aufgabe der Juso muss es auch sein, Fehler der SP laut und deutlich zu kritisieren. Wir hatten und haben mit Ursula Stämmer politische Differenzen, aber es gibt auch Bereiche, in denen wir übereinstimmen. Auf der persönlichen Ebene habe ich übrigens kein Problem mit Stadträtin Ursula Stämmer. Meine Kandidatur richtet sich gegen die überholte neoliberale Politik der Bürgerlichen.

Und im Speziellen gegen Kurt Bieder?

Roth: Ja, das ist korrekt. Er ist nicht in der Lage, die Stadt in eine innovative und urbane Zukunft zu führen. Etwa in den Bereichen Verkehr und Energie. Bei der Revision der Bau- und Zonenordnung hat er auf die Bevölkerung keine Rücksicht genommen und sie nur pro forma mitsprechen lassen.

Und das könnten Sie besser als Baudirektor?

Roth: In erster Linie braucht es frischen Wind und eine innovative Vision. Das habe ich sicherlich und mache damit auch die fehlende Erfahrung wett. Ein Baudirektor muss zuallererst auf die Bedürfnisse der Stadtbevölkerung Rücksicht nehmen. Es kann nicht sein, dass auf Kosten von günstigem Wohnraum versucht wird, vermeintlich gute Steuerzahler anzulocken. Zuerst muss man auf die Bedürfnisse der Stadtbewohner schauen und nicht immer nur gute Steuerzahler anlocken und gleichzeitig Genossenschaftswohnungen verhindern.

Sie sind bekannt dafür, kein Mann der leisen Töne zu sein. Ihre Äusserungen sind zuweilen durchaus polemisch.

Roth: Ich führe oft sachliche Diskussionen auch mit politischen Gegnern. Dabei darf man auch offen kritisieren. Und wenn es dann noch pointiert formuliert ist, dient dies letztendlich der Sache. Wenn man in einer Minderheit ist, muss man sich halt auch Gehör verschaffen. Zudem trifft unsere Kritik ja auch keine wehrlosen Leute – die können sich schon ganz gut verteidigen.

Mit welchem Slogan gehen Sie in den Wahlkampf?

Roth: Er wird wohl «Nie wieder Bieder» lauten. Wobei wir damit sowohl die Person als auch das Adjektiv meinen. Das Gegenteil von spannend und innovativ ist halt nun einmal bieder, und so will ich unsere Stadt nun wirklich nicht.

Hinweis: * David Roth ist Student (Zeitgeschichte/Philosophie) in Fribourg und Grossstadtrat der SP.


Interview von Michael Graber

Quelle: Neue LZ, 30.03.2009