Mittwoch, 20. Mai 2009
«Warum wohnen Sie eigentlich in der Stadt Luzern?»
Baselstrasse, Steuern, Mieten -und gar Eskapaden im Stadtrat: Darüber wollte das Publikum mehr wissen.
David Roth und Stefanie Wyss, was würden Sie für die Quartiere in Littau tun?
David Roth (Juso): Man müsste prüfen, welche Angebote der Jugendarbeit für Littau ausgedehnt werden könnten. Das Jugendhaus Treibhaus in Luzern ist für viele zu weit weg, da bräuchte es auch dezentrale Angebote. Weiter braucht es für Familien günstigen und familienfreundlichen Wohnraum.
Stefanie Wyss (Junge Grüne): Die junge Bevölkerung braucht ein gutes Sprachrohr. Es muss in den Quartieren Ansprechpersonen geben. Diese können Anliegen weiterleiten an die Stadtverwaltung. Für Familien muss es ein quartiernahes Angebot geben bei der familienergänzenden Betreuung, also Krippen und Horte.
Stefan Roth, welche Eskapaden werden Sie sich im Stadtrat leisten?
Stefan Roth (CVP): Ich will seriöse Arbeit leisten und meine unternehmerische und politische Erfahrung aus Littau einbringen. Ich will eine wohnliche Stadt mit Lebensqualität. Wichtig ist es mir, Sorge zu tragen zu den Finanzen, damit die Stadt genügend Spielraum hat für Investitionen.
René Kuhn, SVP-nahe Kreise in Littau wollen die Fusion mit einer Initiative kippen. Was halten Sie davon?
René Kuhn (SVP): Ich finde diese Initiative schlecht, denn einen demokratischen Volksentscheid muss man akzeptieren, alles andere ist Zwängerei.
Beat Stocker (parteilos): Ich ärgere mich über die Initiative. Die Abstimmung kostet 100 000 Franken. Dieses Geld würde ich in Littau lieber für einen zweiten Kinderhort ausgeben.
Ruedi Meier, was tun Sie für eine positive Entwicklung an der Baselstrasse?
Ruedi Meier(Grüne, bisher): Wir haben das Quartierentwicklungsprojekt «Babel» und konnten damit bereits viel für die Bevölkerung tun, vor allem auch für Jugendliche und Kinder. Für die Bernstrasse ist es das Ziel, den Verkehr zu beruhigen, zum Beispiel mit Tempo 30. An der oberen Bernstrasse hat die Stadt Land. Der Stadtrat wünscht sich dort den Bau von günstigem Wohnraum. Ein positives Beispiel ist die Investition von Privaten auf der Reussinsel.
David Roth und Stefanie Wyss, ist eigentlich Ihre Kandidatur für das anspruchsvolle Stadtratsamt ernst gemeint?
David Roth: Jeder hat das Recht, zu kandidieren. Wir können Fragen stellen, über die der amtierende Stadtrat hinweggeht. Ich finde, es verträgt sehr gut junge Kandidaturen. Das Durchschnittsalter der Bisherigen liegt bei 57 Jahren.
Stefanie Wyss: Alt ist nicht gleich Erfolg. Gebt uns Jungen eine Chance. Wir bieten eine Auswahl, und entscheiden kann das Volk.
René Kuhn, Sie bringen das Beispiel von Zug mit den tiefen Steuern. Dort sind aber die Mieten hoch. Warum wohnen Sie denn in der Stadt Luzern?
René Kuhn:Ich arbeite im Kanton Zug. Von meinen Arbeitskollegen, die dort auch wohnen, weiss ich, dass die teure Miete in der Stadt Zug tatsächlich die Steuerersparnis sozusagen auffrisst. Es gibt aber auch andere Zuger Gemeinden, in denen man nicht so hohe Mieten zahlt und somit immer noch von den tiefen Steuern effektiv profitiert, also gegenüber Luzern Steuern spart. Weshalb ich in Luzern wohne? Ich bin einer von denen, die sagen, ich zahle gerne etwas mehr Steuern, weil die Stadt Luzern sehr schön ist. Aber es ist ganz klar: Ich werde weiter für Steuersenkungen kämpfen.
Interview Ruth Schneider
Quelle: Neue LZ,20.05.2009