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Donnerstag, 28. Mai 2009

«Wenig Hierarchie» - «Alle ernst nehmen»


Zu jung für den Stadtrat? Im Gegenteil, finden Stefanie Wyss (22, Junge Grüne) und David Roth (24, Juso). «Ich bin bereit zu lernen und fähig zu Kompromissen. Mit mir im Stadtrat gibt es weniger Hierarchiegefälle», sagt Wyss. Und auch David Roth verspricht: «Ich muss nicht beweisen, dass ich schon alles weiss. Ich halte auch als Grossstadtrat Rücksprache mit Leuten, die weitere Fachkenntnisse haben.» Dadurch - da sind sich die beiden einig - seien sie flexibler und könnten frischen Wind in die Regierungsarbeit bringen.

Bunte Stadt, bunte Regierung
Und frischen Wind brauche es: «Es ist wichtig, dass es Junge im Stadtrat gibt. Über viele Themen, die vor allem die Jugend betreffen, entscheiden Leute, die teils über 50 Jahre alt sind», sagt Wyss. David Roth findet ebenfalls, dass der Stadtrat in einer so bunten Stadt etwas besser durchmischt sein sollte: «Luzern wird immer mehr zum Ausbildungszentrum, und mit Littau kommen auch noch viele junge Leute dazu. Die muss die Regierung genauso repräsentieren.»
Also wollen Roth und Wyss Stadträte für die Jugend werden? «Nein», sagt David Roth. Er wolle ein Stadtrat für alle sein: «Gerade war ich mit meiner Grossmutter essen, und auch sonst habe ich Kontakt zu den unterschiedlichsten Leuten. Wichtig ist, für alle offen zu sein und ihre Anliegen ernst zu nehmen.» Das findet auch Stefanie Wyss. Und: «Ich bin nicht nur jung, sondern auch noch eine Frau - die sind im Stadtrat bisher unterrepräsentiert.»

Leerstände für Zwischennutzung
Ihre Themen setzen die jungen Kandidaten breit an:
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Stefanie Wyss: «Mir ist die Quartierpolitik sehr wichtig.» Es brauche mehr Ansprechpartner vor Ort, die Anliegen aufnehmen und weiterleiten. Auch über die Verkehrsproblematik macht sich Wyss Gedanken: «Es soll nicht attraktiv sein, mit dem Auto durch die Stadt zu fahren.» Sie wünscht sich einen einkommensabhängigen Strassenzoll für die Stadtdurchfahrt, so dass der Velo- und öffentliche Verkehr in den Vordergrund rücken. Und die Jugend? «Wir dürfen den Jungen nicht verbieten, sich draussen aufzuhalten. Da braucht es mehr Toleranz.» Dafür will sie eintreten. Repressionen wie Wegweisungsartikel und Videoüberwachung dürften nicht noch schlimmer werden.

- David Roth: «In der Wirtschaftspolitik haben wir Nachholbedarf.» Um das Kleingewerbe zu fördern, wünscht er sich Gewerbegebäude nach US-Vorbild. Flexible Arbeitsplätze sollen hier tage- oder wochenweise zu mieten sein. Und: «Wir müssen leer stehende Gebäude für Zwischennutzungen freigeben. Nicht nur fürs Gewerbe, auch für Wohnraum und Kultur.» Gerade die liegt ihm sehr Herzen. Dabei gehe es nicht ums Geld: «Es geht um die Akzeptanz einer alternativen Kulturszene und um Raum dafür.» Auch die Verkehrspolitik ist Roth ein Anliegen. Er will sich für Pförtneranlagen einsetzen, um den Stau aus der Stadt zu verbannen, damit der öV freie Fahrt hat.

Silvia Weigel

Quelle: Neue LZ,