Donnerstag, 28. Mai 2009
Die Jugend stürmt und drängt zur Wahl
Gut ein Drittel aller Kandi- daten für den Grossen Stadtrat sind jünger als 30. Über deren Motivation gehen die Meinungen auseinander.Von Michael Graber
Keine Spur von Politikverdrossenheit bei der Jugend - das zeigt ein Blick auf die Listen für die Wahl in den Grossen Stadtrat: Von den 224 Kandidaten hat über ein Drittel einen Jahrgang von 1979 oder jünger und ist somit unter 30 Jahre alt. Auch treten drei Jungparteien mit einer eigenen Liste an (Juso, Junge Grüne und JCVP).
«Verantwortung übernehmen»
«Die Juso kann Junge politisieren, weil sie sehen, dass wir ihre Anliegen tatsächlich vertreten», sagt Wahlkampfleiter Simon Roth. Die Juso präsentiert eine Liste mit 35 Kandidaten, alle unter 30 Jahre. «Im Gegensatz zu früher ist auch die Hoffnung gewachsen, dass man wirklich etwas bewirken kann.» Viele seien heute bereit, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv in die Politik einzubringen.
Maurus Zeier, Präsident der Jungfreisinnigen der Stadt Luzern, sagt: «Man kann sicher nicht schönreden, dass das Interesse an der Politik gesunken ist.» Die Jungliberalen würden davon jedoch nichts spüren: «Wir haben einen grossen Zulauf.» Trotzdem habe sich die Jungpartei entschieden, nicht mit einer eigenen Liste anzutreten und stattdessen fünf Kandidaten auf der Liste der Mutterpartei zu platzieren. Zeier: «Uns ist es wichtig, dass die Kompetenz und der Einsatz stimmen. Man muss nicht auf Biegen und Brechen eine Liste füllen, sonst hat es wie bei gewissen linken Jungparteien viele Kollegen auf der Liste, die das gar nicht ernst nehmen.»
«Blick für aktuelle Themen»
Die Qualität sei entscheidend, sagt auch Adrian Wassmer, einziger Kandidat der SVP, der auch Mitglied der JSVP ist: «Die Jungen haben den Blick für die aktuellen Themen. Sie sind sprichwörtlich am Puls der Zeit und spüren die existenziellen Probleme härter als ältere Kandidaten.» Die SVP sei auch diejenige Partei mit den meisten jungen Nationalräten. Für eine eigene Liste in der Stadt habe man zu wenig Kandidaten gehabt. «Die meisten unserer Mitglieder kommen aus der Agglomeration oder aus ländlicheren Gebieten.» Dass die Jungen in der Stadt zunehmend links seien, glaubt er nicht.
Dass die Personen unter 30 tendenziell eher links wählen, glaubt dafür Manuel Schmid, Vorstandsmitglied der JCVP Stadt Luzern: «Wir merken es auch daran, dass wir es mit der Mobilisierung nicht so einfach haben.» Trotzdem: Die JCVP tritt mit einer eigenen Liste und sieben Kandidaten zur Grossstadtratswahl an. «Das ist okay», sagt Schmid, «natürlich wäre es schön, wenn man mehr Kandidaten präsentieren könnte, aber Listenfüller, die es gar nicht ernst meinen, wollen wir nicht.» Ihm ist die Einbindung junger Kräfte in den Rat wichtig.
«Wir tragen die Konsequenzen»
«Das Alter ist sicher nicht wichtiger als die Parteizugehörigkeit», sagt Manuel Späni, Vorstandsmitglied der Jungen Grünen, «schlussendlich wähle ich ja eine Person, die mir politisch nahesteht.» Späni findet es aber sehr erfreulich, dass sich so viele Junge für Politik interessieren, «schliesslich sind wir Jungen diejenigen, welche die Konsequenzen der Politik am längsten tragen müssen». Seine Partei hat bereits bei den letzten Wahlen einen Sitz erreicht. Das soll auch heuer wieder so sein.
Quelle: Neue LZ, 28.05.2009