Montag, 15. Juni 2009
Grünliberale feiern familiär
Mit drei Kandidaten ziehen die Grünliberalen ins Parlament. Derweil überlegt sich die SVP eine Stimmrechtsbeschwerde.
Von Michael Graber
«Wow, das sind ja megaviele Stimmen», sagte die Tochter von András Özvegyi, als er ihr die endgültige Wahlliste präsentierte. Özvegyi ist frischgebackener Grossstadtrat der Grünliberalen Partei. Diese zieht gleich mit drei Vertretern in das Luzerner Parlament ein. Das wollte gefeiert werden: Im «Rebstock» versammelten sich gestern Abend Partei und Zugehörige.
«Muss leer schlucken»
In eher familiärer Runde - es kamen rund 20 Personen - stiess man auf den Wahlerfolg an. «Wenn ich in der Zeitung noch meinen Namen bei den Gewählten lese, dann muss ich wohl schon noch kurz leer schlucken», sagte Manuela Jost. Die Bestätigung aus der Presse braucht sie aber eigentlich nicht mehr: Jost machte das beste Ergebnis aller Grünliberalen. Eigentlich sei sie eine Exil-Bernerin, aber «Luzern ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen, und ich will mich auch einbringen.»
Am Telefon geschrien
Vier Blumensträusse hatte Parteipräsident Reto Käch organisiert, um sie den Gewählten zu übergeben. Verteilen konnte er aber nur deren zwei. Die dritte Grossstadträtin, Désirée Stocker, weilt derzeit im Ausland. Als sie von ihrer Wahl erfahren habe, «hat sie nur noch geschrien am Telefon», erzählt Parteikollegin Jost.
Für die übrigen Blumen fanden die Grünliberalen dann aber doch noch Verwendung: Einen Strauss überreichte man kurzerhand Stadtpräsident Urs W. Studer, der im selben Restaurant feierte. Den eigenen Erfolg konnten sich die Grünliberalen gestern noch nicht vollends erklären: «Wir feiern in der ganzen Schweiz Erfolge und haben uns auch klar positioniert», sagte Özvegyi. Man wolle eine «lösungsorientierte, sachliche Politik» betreiben, mit Fokus auf Umwelt- und Energiepolitik, so Özvegyi.
Keine Tränen bei Verliererin
Gefeiert wurde auch bei der SP - der grossen Verliererin der Parlamentswahlen. Sie verlor vier Sitze und kommt nun auf zehn Mandate. Katerstimmung kam aber keine auf. Im Gegenteil, man gab sich kämpferisch: Co-Präsidentin Luzia Mumenthaler sagte in ihrer Rede: «Bei den nächsten Wahlen in drei Jahren holen wir ein bis zwei Sitze wieder zurück.» Einer aus dem Publikum warf sogleich ein: «Was zwei? Vier!» Schöngeredet wurde die Niederlage aber nicht: «In der Gesamtschau bin ich enttäuscht», gab Andreas Wüest zu. Wüest landete auf dem zehnten Platz bei der SP und konnte seinen Sitz so knapp halten. Als einen der Gründe für das schlechte Abschneiden seiner Partei vermutet
Wüest die schlechte Stimmbeteiligung: «Wir haben es nicht geschafft, die Leute zu mobilisieren. Die Wahl hat nur in den Briefkästen stattgefunden und nicht in den Köpfen.»
Juso: « Zweiter Wahlsieger»
Doch nicht nur Wahlverlierer fanden sich im Sentitreff ein - die Juso feierte ihren Einzug ins Parlament. Mit Nina Laky (21) wurde eine ihrer Kandidatinnen gewählt. «Wir sind sozusagen neben den Grünliberalen zweiter Wahlsieger», sagte Juso-Wahlkampfleiter Simon Roth. Zumal sie ja mit David Roth auch auf der SP-Liste noch einen Kandidaten in den Grossen Stadtrat gebracht hatten. «Es ist schon schade, dass die SP verloren hat, aber durch den Gewinn eines Juso-Sitzes können wir die Verluste auch etwas abfedern», so Simon Roth. Gespannt sei man jetzt, in welche Richtung die Grünliberalen politisieren.
Neben der SP musste auch die SVP Federn lassen, sie verliert insgesamt zwei Sitze. Parteipräsident René Kuhn: «Da gibt es sicher nichts schönzureden.» Auch er vermutet die tiefe Wahlbeteiligung als Grund, «da müssen wir und alle anderen Parteien dringend etwas dagegen tun», so Kuhn. Aber auch die Taktik mit zwei Listen (eine für die Stadt, eine für Littau) habe zu Problemen geführt. Kuhn: «Viele Stimmen waren ungültig, weil beide Listen eingelegt wurden. Wir überlegen uns deswegen eine Stimmrechtsbeschwerde.» Der Wille des Wählers sei doch klar erkennbar gewesen.
Quelle: Neue LZ, 15.06.2009