Samstag, 12. Dezember 2009
Drei Nachwuchspolitiker kreuzen die Klingen
Ab welchem Alter soll das Stimmrecht gelten? Darüber diskutierten Kantischüler und Jungpolitiker eifrig.
Politische Streitgespräche zwischen Schülern und Politikern sind eine trübe Angelegenheit - normalerweise. Sei es, weil die Jugendlichen zu solchen Veranstaltungen verknurrt werden oder die politischen Würdenträger am Jungpublikum vorbeireden. Nicht so gestern an der Kantonsschule Reussbühl. Statt Mittagessen gabs für rund 50 politisch interessierte Schüler und Schülerinnen die Gelegenheit, drei Nachwuchspolitikern zuzuschauen, wie sie rhetorisch die Klingen kreuzten. Im Rednerring standen für die Jung-CVP Daniel Piazza, Juso-Vertreter David Roth und für die Jung-SVP Adrian Wassmer. Im Rahmen der Veranstaltung «Demokratie leben und lernen», die von der Kantonsschule Reussbühl künftig mehr oder weniger regelmässig durchgeführt werden soll, stand die Grundfrage nach dem Stimmrechtsalter im Vordergrund. Piazza nutzte die Gelegenheit, um den jüngst von der JCVP lancierten Vorschlag des Familienstimmrechts erneut aufs Tapet zu bringen. Die Idee dahinter: Kinder sollen ab Geburt stimmberechtigt sein, wenngleich dieses Recht auch durch die Eltern ausgeübt werden würde. Schliesslich seien die Kinder am längsten von den gefällten Entscheidungen betroffen, argumentierte Piazza.
Bei einigen Schülern stiess das Familienstimmrecht auf wenig Zustimmung. Mütter und Väter würden längst nicht immer im Sinne ihrer Kinder entscheiden, warf ein Schüler ein. Piazzas nicht ganz ernst gemeinter Konter: «Die Eltern sind ja weiss Gott nicht gerade die natürlichen Feinde der Kinder.»
Sachverstand: Keine Altersfrage
David Roth warb hingegen für das Stimmrechtsalter 16. Die Schüler waren gespalten in der Frage, ob das zu früh sei oder nicht. Roth: «Schwimmen lernt man im Wasser.» Zudem sei der politische Sachverstand ja keineswegs ans Alter gebunden, wie einige Stimmberechtigte immer wieder beweisen würden. Auch wenn ein tieferes Stimmrechtsalter zurzeit eher illusorisch erscheine, so habe die Forderung mittelfristig schon eine Chance. Roth verwies auf die Analogie zum Frauenstimmrecht, das bis zur Umsetzung auch einen langen Weg durchlaufen musste. «Und das, obwohl damals sogar ein Frauenkomitee existierte, das sich explizit gegen seine eigenen Rechte einsetze.»
Ein Anhänger des geltenden Stimmrechtsalters 18 fand sich im JSVP-Vertreter Wassmer. «Mit 18 Jahren erhält man bestimmte Rechte und Pflichten. Man kann beispielsweise lernen, Auto zu fahren.» Diese Rechte solle man nicht auseinanderreissen, fand Wassmer. Dass unter 18-Jährige den Gang an die Urne antreten, gefällt ihm aber auch aus einer anderen Überlegung heraus nicht: «Den Jugendlichen fehlt es oft an Lebens- und Berufserfahrung.» Wer sich politisch engagieren wolle, der könne auch einer Jungpartei beitreten. Wassmer brachte die nötigen Beitrittsformulare für die JSVP wohlweislich gleich selbst mit.
Noémie Schafroth
Quelle: Neue LZ, 12.12.2009