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Dienstag, 05. Januar 2010

Politiker kämpfen für Kopien

Die Debatte um die Kapellbrücken-Bilder geht in eine neue Runde. FDP und SVP wollen sie auf der Brücke
sehen - nicht so die SP.

Von Daniel Schriber

War es über die Festtage noch ruhig um die Kapellbrücken-Bilder, beginnt das neue Jahr sogleich mit einem politischen Knall. In einer Motion fordert FDP-Grossstadtrat Daniel Wettstein den Stadtrat dazu auf, die bestehende Hängeordnung aus dem Jahr 2002 zu revidieren und den ganzen Zyklus unter Verwendung der Kopien wiederherzustellen. Die neue Hängeordnung sei dem Grossen Stadtrat innert zwölf Monaten vorzulegen.
Dem FDP-Politiker stösst insbesondere das Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) auf. «Dieses wirkt arrogant und entrückt», so Wettstein.


«Eine völlig neue Ausgangslage»
Der Motionär kann nicht verstehen, weshalb sich der Stadtrat auf die Hängeordnung aus dem Jahr 2002 beruft. «Diese konnte logischerweise die erst vor zwei Jahren entstandenen Kopien nicht als Option berücksichtigen.» Seit 2007 liege deshalb eine völlig neue Ausgangslage vor. Für Wettstein ist klar: «Die Bevölkerung hat ein Recht, die Geschichte korrekt zu erleben.»
Es gehe beim Bilderzyklus primär um das Erleben und Studieren der Geschichte und nur sekundär um die wissenschaftliche Wahrhaftigkeit geschichtlicher Artefakte, deren handwerkliche Qualität überdies nicht unbestritten sei. «Die Originale sind ja kaum noch lesbar», so Daniel Wettstein.


Idee stösst auf Unterstützung

Der FDP-Grossstadtrat steht mit seiner Meinung nicht alleine da. «Auch wir finden, dass die Hängeordnung zwingend revidiert werden muss», sagt SVP-Grossstadtrat Urs Wollenmann. Schon vor einem Jahr hatte er dem Luzerner Stadtrat vorgeworfen, «sich hinter der Denkmalpflege zu verstecken». Laut Wollenmann muss das Volk in der Bilderfrage entscheiden. Die SVP könnte sich deshalb sogar die Lancierung einer Initiative vorstellen. «Wir werden weiter hartnäckig bleiben», so Wollenmann.
Auch CVP-Fraktionschef Markus Mächler hat «viel Sympathien» für die Motion von Wettstein. Man dürfe die Thematik nicht bloss aus Experten-sicht betrachten. «Auch die Öffentlichkeit hat hier ein Mitspracherecht», lautet Mächlers persönliche Meinung.


SP ist gegen das Aufhängen
Keinen Anklang findet Wettsteins Motion bei den Sozialdemokraten der Stadt Luzern. «Die Kopien entsprechen eindeutig nicht der erforderlichen Qualität», sagt SP-Grossstadtrat David Roth im Namen seiner Partei. Schlechte Kopien aufzuhängen, sei keine originelle Art, mit dem Thema umzugehen. Roth steht den Reproduktionen skeptisch gegenüber. Dem SP-Grossstadtrat schwebt stattdessen vor, Luzerner Künstler an die Brücke heranzulassen, um den Bilderzyklus neu und auf eine originelle Art und Weise zu gestalten.
Der Luzerner Baudirektor Kurt Bieder wollte sich gestern nicht zur Motion von Wettstein äussern. Er verwies auf die Antwort des Stadtrates, die in naher Zukunft folgen werde.

Quelle: Neue LZ, 05.01.2010