Samstag, 10. November 2001
Weg mit den Dienstbüchlein?
Die Jungsozialisten fordern heute Schweizer Soldaten auf, ihr Dienstbüchlein abzugeben. Als Abrüstungsmassnahme. Das aber ist strafbar."Wir beginnen jetzt mit der Abrüstung", gaben die Jungsozialisten (Juso) Luzern am Mittwoch per Mediencommuniqué bekannt, "denn wir wissen, dass die Schweiz in Zukunft armeefrei sein wird." Darum fordern die Juso in der Aktion "Unending Peace" (unendlicher Frieden) alle Angehörigen der Schweizer Armee dazu auf, ihr Dienstbüchlein abzugeben. Dafür erhalten die Abrüstungswilligen ein so genanntes "Friedensbüchlein", in dem geschrieben steht, warum die Schweiz auch ohne Armee ganz gut weiterexistieren wird.
"Wir rechnen mit 30 Stück"
"Heute Nachmittag von 14 bis 16 Uhr werden wir mit einem Stand auf dem Falkenplatz sein", gibt Michael Kiser, Co-Juso-Präsident Kanton Luzern, bekannt. "Natürlich sind wir realistisch: Nicht alle laufen mit ihrem Dienstbüchlein in der Stadt herum. Wir rechnen trotzdem mit dreissig Stück." - Und das pro Standort, denn die Juso werden heute nicht nur in Luzern, sondern auch in St. Gallen, Bern, Zürich und Baden in Aktion treten.Büchlein futsch heisst zahlen
Wenn das alles nur so einfach wäre. Abrüstung per Büchlein-wechsel-dich-Spiel. Ist es aber nicht, denn wer das Büchlein unwiderruflich an die Juso aushändigt, macht sich strafbar. "Beim Dienstbüchlein handelt es sich um ein persönliches Dokument, vergleichbar mit dem Pass. Wird es an Dritte ausgehändigt, so ist das eine Straftat", erklärt Urs Hangartner, Infochef des Kantons Luzern. "Einerseits verstösst man mit dieser Tat gegen das Dienstreglement, andererseits ist es Missbrauch und Verschleuderung von Armeematerial." Eine Strafverfolgung sei aber schwierig. "Wir müssten die Personen in flagranti ertappen." Denn im Nachhinein, beispielsweise bei einem Aufgebot zum Wiederholungkurs, könne jeder behaupten, er habe sein Büchlein verloren, so Hangartner. "Wer dann aber so argumentiert, ist für mich ein Feigling." Wie auch immer, Büchlein weg heisst zahlen: bis zu 150 Franken fürs neue Buch. Das alles wissen auch die Juso, sagt Michael Kiser. Abrüstungswillige würden über die Folgen aufgeklärt.Sollte das Dienstbüchlein jedoch nur als symbolischer Akt, im morgigen Fall für zwei Stunden, abgegeben und anschliessend von den Juso rückerstattet werden, kann laut Hangartner nichts passieren. - Der Sinn der Übung bleibt dann wohl nur den Juso vorbehalten.
VON ALICE CHALUPNY
Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 10.11.2001