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Dienstag, 30. April 2002

"Ohne Bucherer ohne Zeitdruck"

Weil Bucherer nicht an der Industriestrasse baut, sehen die Gegner der Umzonung neue Chancen: Es bleibe Zeit, neue Lösungen zu suchen.

mvr. Das Komitee gegen die Umzonung der Industriestrasse, wie sie vom Stadtparlament beschlossen worden ist, will vor allem ein Nein des Volkes, damit man Zeit gewinnt, um neue Lösungen zu suchen. "Ohne Bucherer sind wir nun ohne Zeitdruck und können auch ohne Druck der Wirtschaft das Ganze nochmals überdenken", sagte gestern Michael Kiser, Vertreter der Jungsozialisten (Juso), an einer Medienkonferenz.

Unterschriften schnell gesammelt

Das Komitee hatte im Februar innert weniger Tage die nötigen Unterschriften für ein Referendum gegen die Umzonung gesammelt. "Das hat uns positiv gestimmt, wir rechnen uns durchaus Chancen für ein Nein aus", sagte gestern Matthias Hauser vom Referendumskomitee beziehungsweise der Phase 1. Diese linke Organisation hatte das Referendum ergriffen, nachdem sich keine Partei aus dem Parlament dafür gefunden hatte. Beim Sammeln der Unterschriften habe man schnell gesehen, dass den Leuten Gebäude wie das Flohmarkthaus am Herzen lägen und sie so etwas nicht einfach aufgeben möchten.

Auch die Anwohner hatten laut Hauser damit geliebäugelt, selber das Referendum zu ergreifen. "Der politische Weg ist aber nicht unser Weg, wir wollen andere Möglichkeiten aufzeigen", sagte gestern Anwohnerin Raffaela Felder. Das Referendum der Phase 1 habe sie positiv überrascht, und vor allem ermögliche es eine Diskussion, ergänzte Harry van der Meijs, Architekt und Anwohner.

Mehr Verkehr, neue Strassen?

Das Komitee beklagt, kleine Gewerbebetriebe verlören die Lebensgrundlage, neue Gewerbebauten brächten mehr Verkehr, und das rufe nach einem Strassenausbau. Das Stadtparlament habe keinen verpflichtenden Wohnanteil in die Vorlage aufgenommen. Der Kompromiss mit 2500 Quadratmetern bedeute "pro Betriebsgebäude eine Attikawohnung", sagte van der Meijs. "Bewohner aber sind für ein Quartier wichtig, weil sie die soziale Kontrolle gewährleisten."

Die Interessengemeinschaft Industriestrasse erarbeite derzeit Ideen, "welche andere Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen, zum Ort passen und einen gemischten Lebens- und Arbeitsraum vorsehen", betonte van der Meijs. Denkbar sei ein Projekt wie die Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk 1 in Zürich. Erste Ideen will man am 10. Mai an einem Abstimmungsfest präsentieren.

Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 30.04.2002