Samstag, 18. Mai 2002
Nur JCVP weicht ab
Dürfen Ärzte und Hebammen gezwungen werden, Abtreibungen vorzunehmen? Dieser Frage stellten sich die Luzerner Jungparteien.Seit Wochen wird heftig über die Fristenregelung diskutiert, die einen treten für das Selbstbestimmungsrecht der Frau ein, die anderen wollen das ungeborene Leben schützen. Beide Argumente bestimmten auch die "kleine Elefantenrunde" der Präsidenten der Luzerner Jungparteien am Donnerstagabend in Udligenswil. Rund dreissig Personen verfolgten das Podium, das von Jürg Auf der Maur, Leiter des Ressorts Inland der "Neuen Luzerner Zeitung", moderiert wurde.
Während sich Claude Meier, Jungfreisinnige, Sara Canducci, Co-Präsidentin JuSo, und Stefan Gassmann, JCVP, für die Fristenlösung und gegen die Initiative "für Mutter und Kind" aussprachen, empfahl Pirmin Müller, JSVP, letztere anzunehmen. Die Votanten entsprachen damit, bis auf die JCVP, den Positionen ihrer Mutterparteien.
Die JSVP verstehe die Ablehnung der Fristenlösung auch als Absage an die Spassgesellschaft, liess Pirmin Müller wissen. Claude Meier konterte, dass das Thema Abtreibung nichts mit Spassgesellschaft zu tun habe, denn über die Hälfte der Frauen, die sich für diesen Schritt entscheiden würden, seien älter als dreissig Jahre. Meier und Gassmann machten darauf aufmerksam, dass es bei der Abstimmung vor allem darum gehe, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen und Frauen, die sich gegen das Kind entscheiden würden, zu entkriminalisieren. Sara Canducci unterstrich: "Wir möchten, dass Frauen selbst über ihre Zukunft entscheiden können."
Müssen Mediziner abtreiben?
Spannend wurde die Diskussion, als es um die Frage ging, ob nach Annahme der Fristenregelung das medizinische Personal gezwungen werde dürfe, Abtreibungen durchzuführen. Die Co-Präsidentin JuSo sagte, eine Hebamme, die dies verweigere, habe den falschen Beruf. "Wenn die Bevölkerung Ja sagt, dann muss ein entsprechender Leistungsauftrag an die Kantonsspitäler erfolgen", meinte Claude Meier. Stefan Gassmann ist überzeugt: Im Fall einer Abtreibung muss der Arzt der betroffenen Frau helfen. Dieser müsse Leben erhalten, entgegnete Pirmin Müller."Väter in Veranwortung nehmen"
Eingangs äusserten sich als Fachrat Claudia Wyrsch-Villiger von der Schwangerschaftsberatungsstelle Luzern und Ruth Jucker, Hebamme und Leiterin des Mutter-und-Kind-Hauses in Schattdorf. Wyrsch-Villiger erwähnte, dass dank des Mutterschaftsbeitrages im Kanton Luzern keine Frau aus finanziellen Gründen abtreiben müsse. "Die Väter müssen mehr in die Verantwortung genommen werden", betonte Ruth Jucker.INGE STAUB
Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 18.05.2002